Alien

Aisha Franz, 2011

Ailen, Aisha Franz

♥ 

HANDLUNG Da ist zunächst Mädchen. In ihrem Zimmer versteckt sie einen merkwürdig passiven Alien. Mädchen ist vollauf mit Kindsein beschäftigt und mit ihren frühreifen Kolleginnen eher überfordert – versteht nicht recht, wann und warum man sich küsst und was eigentlich genau “Petting” ist. Doch dann ist da noch Schwester. Diese ist in den schönsten Teenager-Jahren, trifft sich mit Jungs, raucht, lernt ihren Körper kennen, rebelliert. Die Mutter der beiden ist ganz Hausfrau. Praktisch, quadratisch – und eines Tages verzweifelt, als ihr ein alternatives Ich frisch aus dem TV erscheint. Was wäre aus ihrem Leben geworden, wenn Mutter damals, an diesem verhängnisvollen Tag, nicht in den Supermarkt gegangen und dort den zukünftigen Vater ihrer Kinder kennen gelernt hätte?

ZEICHNUNGEN Die Bilder sind mutigerweise in weichem Bleistift gezeichnet, die Wischspuren stehen gelassen. Das gab mir beim Lesen merkwürdige Reflexe: Einerseits wollte ich das dicke Papier genüsslich anfassen und mich in die Geschichte einwühlen, andererseits hatte ich instinktiv stets Angst, die Seiten noch mehr zu verwischen. Diese Vorsichtigkeit löste beim Lesen aus, dass das Buch auch als materielles Ding an Wert gewann. Das spricht für Comics in Buchform. 

MEINUNG Alien ist eine kompakte, gelungene Graphic Novel. In typischer Subjektivität erzählt sie aus einem Tag von Mädchen, Schwester und Mutter und lässt ohne grosse Handlung die Merkwürdigkeiten des Modells “Familie” aufleben. Vielleicht sind ein paar Klischees zu viel hineingeraten, doch die Stimmungen, welche damit erzeugt werden, beeindruckten mich. Leider wirkt der Zeichnungsstil manchmal so naiv, dass seine Kindlichkeit penetrant wird. Naives Zeichnen ist häufiges Stilmittel in Graphic Novels, nicht zuletzt weil damit ein authentischeres Lesegefühl entsteht. In Alien ist der Bogen allerdings manchmal überspannt. Dafür hat die junge Comicautorin echtes Talent bewiesen, in kleinsten Bildausschnitten grosse Atmosphären herzustellen. Besonders auch in reizvollen Bildabfolgen, welche an den Figuren dran bleiben und fast filmartig auch repetitive sowie stille Momente dieses einen Tages einfangen.

Reprodukt, 16 Euro

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