Besucht: Fumetto 2014

Fumetto 2014 - Kornschuette

Das Fumetto war auch in diesem Jahr seinen Besuch wieder mehr als wert. Einiges hat mir zwar zu rätseln gegeben, doch dazu später.

Der rote Raum, in dem Gabriella Giandelli ausgestellt wurde, war ein Erlebnis für sich. Die Farbe erreicht eine solche Intensität, dass sich das Eintreten wie ein Eindringen in einen Körper anfühlt, in eine umfassende Intimität, die gut zu ihren Bildern passt.

Fumetto 2014 - Gabriella Giandelli

 

Begeistert hat mich auch das Programm vom britischen Verlag Nobrow, welcher gleichzeitig mutig experimentiert und doch zugängliche, hoch qualitative Produkte herausbringt. Ein Highlight ist Kellie Strom, der passend zu seiner Neuerscheinung «Worse Things Happen at Sea» ein Segelschiff aus Papier und schwarzer Tinte baute (Paddle Steamer – Bat Attack, 2014). Dreidimensionaler Comic, bloss noch viel besser.

Fumetto 2014 - Kellie Strom

In einer kleinen Seitenstrasse war das Künstlerkollektiv 000x zu entdecken, das eine faszinierende Collage aus Vermissten-Anzeigen ausstellte, mit denen nach Gefleuch (Wellensittichen), Gekreuch (grüne Hundskopfboa) und sonstigen Merkwürdigkeiten (laufende Nase) Ausschau gehalten wurde.

Fumetto 2014 - 000x

Ganz zu schweigen von den interessanten Ausstellungen zu Motion Comics, zur finnischen Comic-Szene, den spannenden Podiumgesprächen, … Das Festival gab dem Comic seinen verdienten Stellenwert, wie dies Tjeerd Royaards beschreibt (Where Comics Are Treated as Art (and Rightly So)). Doch hat es mir auch zu denken gegeben, dass Comic dieses Jahr in einigen Ausstellungen als bildende Kunst inszeniert wurde. Gerade in den Hauptausstellungen wurde nach seinen Grenzen gesucht, bis hin zu seiner Auflösung.

Muss sich denn Comic schämen, Comic zu sein?

Fumetto 2014 - Dongery

Wo ich letztes Jahr unbändig schöne Werke von ZeichnerInnen aus dem arabischen Raum entdeckte, säte dieses Jahr die Künstlergruppe Dongery eine trashig-ironische Büroinstallation hin. (Ich gebe ja zu, ich musste grinsen)

Im Kunsthaus Luzern waren letztes Jahr Originalzeichnungen der Underground-Ikone Robert Crumb ausgestellt – meine damalige Begeisterung muss ich nicht ausführen. Diesmal fand ich mich in einem Raum wieder, der vom südafrikanischen Künstler Robin Rhode minimal ausstaffiert wurde. Gewitzte Streetart zwar, die auch mal sequentiell aneinander gereiht wird – doch den Bezug zum Comic fand ich eher gesucht denn wirklich ersichtlich.

Auch beim diesjährigen Artist in Residence, dem man beim Zeichnen über die Schulter gucken konnte, darf Comic scheinbar nicht Comic sein. Mit Eric Lambé war zwar ein zweifellos grandioser Künstler eingeladen. Doch ist er abstrakter Avantgardist, der sich im Tages-Anzeiger wie folgt zitieren lässt: «Ich habe das Gefängnis der traditionellen Bande dessinée aufgebrochen mit ihren langweiligen Wiederholungen». Aus dieser Haltung entstehen bei Lambé Bilder, die zwar jedes für sich begeistern, jedoch ihre Poesie der Zeitlichkeit ohne Anflug einer Geschichte erzeugen.

Es scheint so, dass das Fumetto 2014 den Comic mit der Aufnahme in den Kunstbetrieb geadelt hat, ihm jedoch gleichzeitig seine Zugänglichkeit erschwert. Das finde ich schade, insbesondere da im deutschsprachigen Raum die Comic-Kultur und deren Wahrnehmung erst am Anfang stehen.

Das nächste anregende Fumetto Comix-Festival findet vom 7. bis 15. März 2015 statt!

Fumetto 2014 - Nobrow

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