Das Selbstexperiment

Matthias Gnehm, 2006

Das Selbstexperiment

 

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HANDLUNG Frank Karrer ist Wissenschaftler an der ETH Zürich und hat eine der wichtigsten Fragen gelöst: Er weiss, wie Bewusstsein entsteht. Das heisst – und hier wird es bereits kompliziert – er weiss es nicht in jedem Zustand, sondern nur, wenn er eine geniale Substanz eingenommen und das Bewusstsein einer gewissen Claudia Fischer eingenommen hat. Ebenso wird dazu ein Comic mit dem Titel “Geist” benötigt, der als Comic im Comic auftaucht. Der Rest dieser Geschichte ist leider auch schon zu wirr, um nacherzählt zu werden.

ZEICHNUNGEN Das Schönste an diesem Buch überhaupt sind die Zeichnungen von Zürich und von den beiden Hochschulquartieren der ETH. In reiner Linienarbeit, ohne Graustufen und Schraffierungen lässt der ausgebildete Architekt Matthias Gnehm die altehrwürdigen Gebäude zur lebendigen, leicht drohenden Kulisse entstehen. Dass die Menschenfiguren teilweise etwas unbeholfen gezeichnet wirken, macht den ästhetischen Charme dieses Buches nur grösser.

BESONDERES Der Comic im Comic – die Binnenerzählung, auf gut wissenschaftlich ausgedrückt – ist in ganz anderem Stil als der Rest des Buches gezeichnet. Piktogrammartig wird hier die Entstehung des Bewusstseins zu erklären versucht. Der reduzierte Zeichnungsstil tut dieser komplexen Thematik gut. Ein lustiges Extra wird sichtbar, wenn man den Schutzumschlag abnimmt…

Das Selbstexperiment, Matthias Gnehm

Das Selbstexperiment, Matthias Gnehm

MEINUNG Ich habe diese Graphic Novel als Bettlektüre ausprobiert und bin kläglich gescheitert. Wer sich auf dieses Buch einlassen will, braucht harte Zähne zum Durchbeissen. Vorwissen in Logik und Psychologie sind ebenfalls von Vorteil. Der Vorsatz, Wissenschaft in eine Graphic Novel zu packen, hat mich zwar gleich zu Beginn begeistert. Doch die Geschichte hat sich einfach zu viel vorgenommen. Es soll die ganze Welt erklärt, eine kriminalistische Liebesgeschichte erzählt und ein rasantes Spiel mit Identitäten erzeugt werden. Das Buch hat mit damit nach etwa einem Drittel verloren. Nur die wunderschönen Zeichnungen haben mich dafür mehr weiterschauen als weiterlesen lassen. Doch wer weiss, vielleicht wird mir das Buch eines Tages wieder mal in die Hände fallen und dann werde ich mich ein zweites Mal dahinter wagen – diesmal jedoch nur mit Notizblock und Leuchtstift und nach 10 Stunden Schlaf.

Edition Moderne, 36.- CHF

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