Everything We Miss

Luke Pearson, 2011

Everything we Miss, Luke PearsonEverything we Miss, Luke Pearson

♥ ♥ ♥ ♥ ○

Was passiert da, wo du nicht hinsiehst?

Ein Baum entwurzelt sich und beginnt zu tanzen. Ein unsichtbarer Schattenmann zwängt sich unter deine Zunge und formt Wörter, die du deiner Geliebten nie sagen wolltest. Deine Beziehung fällt auseinander – nicht wegen Bosheit, sondern wegen der vielen Momente, in denen ihr einander verpasst. Aus Kraftlosigkeit, gegen diese Missverständnisse anzugehen. Aus Unwissen über die Schönheit der Dinge, die da passieren, wo du nicht hinsiehst. Zum Beispiel im Innern deines Gegenübers.

Luke Pearson, Shooting Star des Verlags Nobrow, hat mit Everything We Miss ein wuchtiges Büchlein hingelegt. In loser Geschichte und assoziativen Märchen-Momenten schafft er eine Montage, die einen Zauberspiegel hinhält. Nicht dass die Leserin einmal mehr sich selbst damit betrachten müsste. Aber dass sie vielleicht Orte zu suchen beginnt; hinter sich, jenseits der Oberfläche des Gegenübers. Obwohl sie es vermutlich doch nie schaffen wird, dorthin zu gelangen.

Den Figuren von Luke Pearson ist nicht bewusst, was sie nicht sehen – können. Man möchte sie gerne in den Arm nehmen und es ihnen verraten. Das sichtbar gemachte Unsichtbare erinnert dabei an Lukas Jüligers Vakuum. Der hat das Unsichtbare, nämlich die Utopie, in die grösstmögliche Unerreichbarkeit gestellt, hat schmerzhaft dessen Undarstellbarkeit dargestellt. Was beim Deutschen Lukas düster, ist beim Engländer Luke etwas hoffnungsfroher. Wenn mich auch etwas schade dünkt, dass seine Zeichnungen clean und kühl sind. Dann überzeugt er jedoch wiederum mit seiner genialen Farbgebung.

Schlussnotiz: Der englische Verlag Nobrow hat mich bereits am diesjährigen Fumetto überzeugt. Es dauert nicht mehr lange und ich bekomme Schluckauf vor Begeisterung. Ehrlich jetzt.

Nobrow, 22.- CHF

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