Les Sous-Sols du Révolu

Marc-Antoine Mathieu, 2006

Les Sous-Sols du Révolu, Marc-Antoine Mathieu

♥ ♥ ♥  ○

Eudes le Volumeur betritt als Inspektor ein Museum des längst Vergangenen. Das Gebäude selbst ist in seiner Grösse nicht einmal zu erahnen – Schritt für Schritt relativiert sich jedes vermeintliche Grössenverhältnis zur unendlichen Pyramide. Die Tiefen sind hier unergründlich.

Ich liebe Mathieus leere Figuren. Ohne persönliche Vorgeschichte und Charakterzüge geraten sie in absurde Welten. Philosophisch-kühle Wunder treten leichte Schauer des unheimlichen Vergnügens los.

So auch in diesem Comic: Eudes le Volumeur reist durch alle musealen Abteilungen hindurch. Dabei trifft er auf Kuriositäten wie das Dépôt des Moules. Hier werden Abdrücke von Statuen gesammelt – ein unendlicher Berg an Material, um den Zwischenraum, die Leere zu erhalten. Oder er strauchelt im Dunkeln des Restaurationsateliers auf das Paradox, dass das Licht die Farben zerstört – dass also ein Bild je mehr zerfällt, desto länger es sichtbar ist. Der unendliche Untergrund dieses Museums ist dabei von absurden Experten bevölkert. Der Rahmungsspezialist kann etwa anhand des Geruchs analysieren, welches Bild einst in einem Rahmen eingefasst war. Und die Aufpasser üben monatelang den richtigen Tonfall des warnenden “Tss Tss”, wenn ein Besucher einem Gemälde zu nahe tritt.

Fast ist es unwichtig zu wissen, dass dieser Comic als Auftragsarbeit vom Musée du Louvre zustande kam. Der Comic ist zwar eine einzige Liebeserklärung an den Louvre – und kann doch ganz davon losgelöst als Parabel auf alle Museen der Welt gelesen werden. Ja sogar als Parabel auf unser Umgang mit dem längst Vergangenen. Auf uns als Menschen überhaupt.

Und dies ist es, was ich an Marc-Antoine Mathieu immer wieder ebenso liebe wie an Franz Kafka: Diese universellen Parabeln, die jedoch bedingungslos und direkt aus unserem Alltag stammen. Weisheit, die mich und dich etwas angeht.

Und doch gibt es diesmal nicht fünf volle Herzen. An andere Werke Mathieus kommt “Les Sous-sols du Révolu” nicht heran. Medial hat Mathieu weniger gewagt als üblich und die Symbolik fand ich manchmal zu süffisant. Vielleicht ist Mathieu doch besser, wenn er frei ist und keinen Auftrag erfüllen muss – so faszinierend ihm dieser auch gelungen ist.

Futuropolis, Musée du Louvre Éditions

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