Vakuum

Lukas Jüliger, 2012

Vakuum, Lukas JüligerVakuum, Lukas Jüliger

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Irgendwo in einer Provinzstadt verliert ein namenloser Jugendliche seinen Freund Sho. Seit einem Drogenversuch ist Shos Körper unbewohnt und selbst der will unaufhaltsam in das Loch in sich selbst verschwinden. Die letzten Sommertage werden aber durch eine neue Bekanntschaft belebt: Namenlos lernt ein Mädchen mit mandelförmigen Augen kennen. Auch sie verschwindet immer wieder, wenn auch nur kurzfristig und in den schönsten Momenten. Im Gegensatz zu Sho ist das Mandelaugen-Mädchen jedoch eine Getriebene. Sie sucht nach etwas, was in der Ödnis der Reihenhäuschen und gemähten Wiesen keinen Platz hat. Und dieses Grössere verbirgt sich im Wald. Überhaupt die Natur: Sinnbild für das Ausbrechende. Für Erlösungsutopien.

Der kommende Untergang ist die visuelle Grundlage von Vakuum. Dichte Bilder in taumelnden Perspektiven – der Betrachter wird seiner Stabilität beraubt. Das Gezeichnete drängt sich, die unfassbare Anzahl an Strichen dehnt sich an die Enge der Rahmen und kommt nie über sie hinaus. Videospiele, Zitate, Erinnerungen vermischen sich zu einem untrennbaren Ganzen, in dem die nüchterne Realität als Seelenmörder ihre Knarre an die Schläfe der Jugendlichen hält. Sie wollen weg von hier. Doch was ist hier.

Ihr Duft ist der Beginn, an dem Namenlos seiner Mandelaugen-Freundin verfällt. Der Duft ist auch das, was im Comic nicht dargestellt werden kann. Der Duft ist das Sehnen der Jugendlichen und muss das Sehnen der Lesenden bleiben. Ein intelligenter Kniff für ein visuell aufdringliches Medium. Nur Sho merkt, dass der Duft unerreichbar ist. Mandelauge und Namenlos wollen weg von hier. Doch wohin.

Der Schluss ist Verklärung. Ein vermeintliches Eintreten in eine umfassende Utopie. Hirnverbrannt in seiner Konsequenz, mitreissend in seiner Radikalität. Die Utopie ist das Unsichtbare – das, was nach dem unerträglich säuberlich und lieblich gezeichneten Vakuum passiert.

Reprodukt, 20.- €

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